07.09.2010

Gemeinsame Initiative für ein besseres Schulsystem

JKU Linz, IV OÖ und AK OÖ starten gemeinsame „Initiative für ein besseres Schulsystem“

Hoher Aufwand, hohe Kosten, mittelmäßige Ergebnisse: Die Leistungsfähigkeit des österreichischen Schulsystems lässt viel zu wünschen übrig. Bei Maturantinnen und Maturanten, bei Studienanfängerinnen und -anfängern sowie bei Akademikerinnen und Akademikern liegt Österreich, verglichen mit anderen Industriestaaten, weit zurück. Auf der anderen Seite liegt der Anteil von Jugendlichen ohne Berufsausbildung seit Jahren bei erschreckenden 15 Prozent! Insgesamt werden die Chancen durch Bildung zu wenig genützt.

 

Zahlreiche internationale Studien wie Education at a Glance, PISA oder PIRLS haben diese Defizite in Österreich in den letzten Jahren immer wieder belegt, geschehen ist bisher (zu) wenig. „Ideologisch verkrustete Postionen machen derzeit einen klaren und analytischen Blick auf unser Bildungssystem nahezu unmöglich", meint Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ). Mit dem ehrgeizigen Ziel, nicht weniger als die bestmögliche Bildung für alle zu ermöglichen, hat sich deshalb jetzt eine übergreifende Allianz gebildet: Johannes Kepler Universität Linz (JKU), IV OÖ und die Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) starten die „Initiative für ein besseres Schulsystem". Österreich braucht als eines der wohlhabendsten Länder der Welt das beste Bildungssystem, lautet die gemeinsame Devise.

 

Von den Besonderheiten anderer Bildungssysteme lernen

 

In einem ersten Schritt gilt es herauszufinden, wo Österreich im internationalen Bildungsvergleich tatsächlich steht. Dazu ist es notwendig, anhand der verfügbaren statistischen Daten einen systematischen nationalen und internationalen Vergleich durchzuführen (Benchmarking) und die Stärken und Schwächen des Bildungsstandorts Österreich zu analysieren. „Unter Berücksichtigung der Besonderheiten anderer Bildungssysteme können wir von den Beispielen der besten Praxis lernen und diese für Oberösterreich adaptieren. Mir ist dabei ein gerechter und gleicher Zugang zu Bildung für alle sehr wichtig", erklärt dazu AK OÖ-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Einen solchen Prozess pragmatischer, evidenz-basierter Bildungspolitik wollen AK OÖ, IV OÖ und JKU anstoßen und in Folge die Politik dazu einladen, an der Umsetzung mitzuwirken.

 

Die zwei wichtigsten Ziele des Projekts sind:

 

  • Ein internationaler Vergleich und eine Bewertung des österreichischen Schulsystems in diesem Umfeld. Funktionierende Modelle aus dem Ausland sollen auf ihre Österreich-Tauglichkeit hin überprüft und gegebenenfalls adaptiert werden.
  • Ein nationaler Vergleich und eine Bewertung nach dem Motto „Wie funktioniert Schule in Oberösterreich im Vergleich zu anderen Bundesländern?" Letztlich geht es um die Gestaltung von Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, positive Veränderungen im oberösterreichischen Schulsystem zu bewirken.

 

„Die entwickelten Benchmarks sollen nicht nur für Oberösterreich, sondern auch für die anderen Bundesländer Impulse geben in Richtung eines Bildungssystems, das für alle die besten Chancen gewährleistet", so Kalliauer.

 

Der vorläufige Fahrplan

  

Als ersten Schritt haben die Projektpartner beim Institut für Höhere Studien (IHS) eine Studie mit dem Arbeitstitel „Ist-Analyse der oberösterreichischen Bildungslandschaft" in Auftrag gegeben.

 

Weiters wurde ein wissenschaftlicher Beirat aus nationalen und internationalen Experten eingerichtet, der inhaltliche Expertisen einbringt und Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Dem wissenschaftlichen Beirat gehören an:

 

  • o.Univ.-Prof. Dr. Herbert Altrichter (J. Kepler Universität Linz)
  • Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Eder (Universität Salzburg)
  • Mag. Dr. Peter Härtel (Steirische Volkswirtschaftliche Gesellschaft)
  • Univ.-Prof. DI Mag. Dr. Markus Hohenwarter (J. Kepler Universität Linz)
  • Dr. Lorenz Lassnigg (Institut für Höhere Studien)
  • Prof.in Dr.in Katharina Maag Merki (Universität Zürich)
  • o.Univ.-Prof. i. R. Dr. Bernd Schilcher (Karl-Franzens Universität Graz)

 

Ein zusätzlich eingerichtetes Expertenkomitee aus Wirtschaft und Gesellschaft bringt praktische Erfahrungen in die Initiative mit ein. Noch vor Jahresende soll ein erstes Maßnahmenpaket den politischen Entscheidungsträgern präsentiert werden.

 

Arbeiterkammer-Präsident Dr. Johann Kalliauer:

 

„Gerecht und ökonomisch sinnvoll:

Beste Bildungschancen für alle"

  

Gleiche Chancen für alle, unabhängig von der Herkunft. Die Wichtigkeit und Richtigkeit dieses Prinzips ist allgemein anerkannt. Doch unser Bildungssystem verfestigt und reproduziert soziale Ungleichheiten, anstatt sie auszugleichen. Nach wie vor hängen die Chancen von Kindern und Jugendlichen stark vom Bildungsgrad ihrer Eltern ab und nicht von den Begabungen oder dem Engagement der Kinder. Das ist empirisch vielfach belegt. Wir wissen auch, dass junge Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung schlechte Karten haben. Wenn Jugendliche aus dem Bildungssystem aussteigen, liegt es also in erster Linie an den Rahmenbedingungen: am Bildungsgrad der Eltern und vor allem am Versagen des Schulsystem. Die Schule bestimmt die Zukunftschancen aller Kinder mit und könnte ein idealer Ort sein, um zu fördern und schlechte Startvoraussetzungen auszugleichen. Die Potentiale großer Teile der Jugend zu ignorieren und brach liegen zu lassen, ist nicht nur ökonomisch fatal, sondern vor allem auch menschlich und gesellschaftlich.

 

Bildung ist mehr als nur Berufsausbildung. Bildung macht uns zu selbst-bewussten Menschen, die ihr Leben aktiv gestalten und mitbestimmen können, zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, Initiativen, die zu einer gerechteren Verteilung von Chancen führen, zu starten, zu unterstützen und zu begleiten. Wir wollen beste Bildungschancen für alle, wir brauchen das beste Schulsystem.

 

Rektor o.Univ.-Prof. DI Dr. Richard Hagelauer:

  

"Vorbildung entscheidet über künftiges Erwerbsleben"

 

Die Johannes Kepler Universität (JKU) Linz beteiligt sich an der „Initiative für ein besseres Schulsystem" einerseits als wissenschaftlicher Projektpartner, andererseits aber auch, weil es uns als Universität ein gesellschaftspolitisches Anliegen ist, das bestmögliche Bildungssystem für unsere Schülerinnen und Schüler - und in weiterer Folge Studentinnen und Studenten - zu gewährleisten. Für uns als Universität ist es von zentraler Bedeutung, dass Maturantinnen und Maturanten die ein Studium an der JKU beginnen, eine gute Basis mitbringen. Ist diese Basis vorhanden, können die Studierenden auch im Studium bessere Leistungen erbringen und sind entwicklungsfähiger. Je besser die Vorausbildung, desto höher die Qualität an der Universität. Die Vorausbildung hat nicht nur einen entscheidenden Einfluss auf die Studienleistungen, sondern in weiterer Folge auch auf die künftigen Karrierechancen und somit Auswirkunken auf das gesamte künftige Erwerbsleben.

           

Einen wesentlichen Baustein im Berufsleben wird künftig auch die lebenslange Weiterbildung darstellen. Die in der Erstausbildung erworbenen Qualifikationen veralten zunehmend und die ökonomische Dynamik verlangt lebenslange Lernaktivitäten zugunsten individueller Lebenschancen. Die Basis, die in der Erstausbildung in der Schule geschaffen wird, entscheidet neben dem Weiterbildungsangebot ganz massiv über die Chancen zur individuellen Weiterentwicklung.

 

Diese Fakten sind keine neuen und allen Beteiligten bewusst. Dennoch muss es nun endlich gelingen, dass alle an einem Strang ziehen und der Bildung in Österreich den Stellenwert geben, den sie verdient. Nur so wird es gelingen, den erreichten Wohlstand in Österreich zu halten.

 

 

IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger:

  

„Exzellenter Industriestandort braucht exzellentes Schulsystem!"

 

Oberösterreich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Industriebundesland Nummer eins entwickelt - Österreichs gutes Bildungswesen war dabei Voraussetzung für die heutige Standortqualität im Herzen Europas. Die völlig geänderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen aber nun eine umfassende Neugestaltung des Bildungssystems notwendig. „Die Industrie ist durch einen ständigen Strukturwandel gekennzeichnet. Heute sind es die Know-how- und forschungsintensiven, technologieorientierten Industriezweige, die dominieren und die Grundlage für den Wohlstand in unserem Land bilden", erklärt IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger. Damit sei auch das Anspruchsniveau an die Ausbildung der Mitarbeiter gestiegen: „Die hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften erfordert ein Bildungssystem, das diesen Ansprüchen gerecht wird." Tatsächlich droht jedoch der sich immer deutlicher abzeichnende Engpass bei gut ausgebildeten Fachkräften zur Wachstumsbremse Nummer eins zu werden. Somit ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs die Schlüsselmaßnahme für den zukünftigen Erfolg unseres Landes. „Ein exzellenter Industriestandort braucht also auch ein exzellentes Schulsystem", fasst Pöttinger zusammen.

 

Das Schulwesen müsse daher so gestaltet und modernisiert werden, dass Österreich als eines der wohlhabenden Länder der EU und der Welt über eines der besten Bildungssysteme der Welt verfügt. „Die IV OÖ will dazu beitragen, dass dahingehende Maßnahmen ausgearbeitet und umgesetzt werden - unabhängig von schul- und parteipolitischen Ideologien", erklärt der IV OÖ-Präsident. Oberösterreich müsse vorangehen und eine „Front-Runner"-Strategie mit neuen Wegen einschlagen, um zur Benchmark im österreichischen Bildungswesen zu werden.

 

Die beste Bildung für unsere jungen Menschen

 

Die drei Initiatoren des Projekts - Univ.-Prof. Dr. Richard Hagelauer, Dr. Johann Kalliauer und DI Klaus Pöttinger - sind sich jedenfalls einig, dass beim Thema Schule/Bildung dringender Handlungsbedarf besteht. Auf der einen Seite klagt die Wirtschaft über Fachkräftemangel, auf der anderen Seite haben schlecht Ausgebildete ein niedriges Einkommen und ein hohes Arbeitslosigkeitsrisiko. „Bildung macht Menschen nicht nur fit für den Arbeitsmarkt, sondern auch fit für eine selbstbewusste Teilnahme am Gemeinwesen", so Pöttinger: „Deshalb ist die beste Bildung für die jungen Menschen in unserem Land das erklärte Ziel dieses Projekts!"

 

 

Rückfragehinweise:

Industriellenvereinigung Oberösterreich

DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch, j.grutsch@iv-net.at

Tel. (0732) 78 19 76-0

 

Arbeiterkammer Oberösterreich:

Abteilung Kommunikation

Martina Macher, martina.macher@akooe.at

Tel. 050/6906-2190

 

JKU Linz

Universitätskommunikation

Mag. Manfred Rathmoser

manfred.rathmoser@jku.at

0732 2468 9889


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IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger
IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger



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