21.10.2011

Industrie zu Streiks: Wirklicher Kulturbruch in Österreich

IV-GS Neumayer: Aktuelle IMAS-Umfrage: klare Mehrheit gegen Streiks – Von 1-Prozent-Lohnerhöhung gehen nur 0,36 Prozent in Inlandskonsum – Arbeitgeber haben in Krise Verantwortung gezeigt, fordern diese auch von Arbeitnehmervertretern ein

Als „wirklichen Kulturbruch und hoffentlich einmaligen Sündenfall" bezeichnete der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, die kürzlichen von der Gewerkschaft im Anfangsstadium der Verhandlungen organisierten Streiks in der Metallindustrie. Ein Streik könne nicht am Beginn eines Verhandlungsprozesses stehen, dies sieht auch die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher so: Der IV-Generalsekretär stellte die Ergebnisse einer aktuellen IMAS-Umfrage im Auftrag der IV vor, wonach 60 Prozent der Menschen die Streiks der Gewerkschaft als zu früh erachtet und längere Verhandlungen befürwortet hätten. Ebenfalls eindeutig sei die grundsätzliche Position der heimischen Bevölkerung zu Streiks: 57 Prozent der Bevölkerung sprechen sich gegen Streikmaßnahmen als Mittel der sozialen Auseinandersetzung aus, während lediglich 35 Prozent Verständnis für solche Maßnahmen aufbringen, so Neumayer.

Zur von den Gewerkschaftsfunktionären ständig strapazierten Forderung nach Stärkung der Kaufkraft betonte Neumayer, dass von einer Lohnerhöhung von einem Prozent nur 0,36 Prozent am Inlandsmarkt ankommen würden. Der überwiegende Teil fließe in Steuern und Abgaben, in die Sparquote sowie in den Konsum importierter Waren. „Überdies hat die Erfahrung der vergangenen Jahre ganz klar gezeigt, dass Länder mit starker Konsumlastigkeit und geringer Industriequote, wie etwa Griechenland, viel stärker unter der Krise gelitten haben als Staaten mit einer starken industriellen Basis." Die Frage der Kaufkraftstärkung kann nur ein Aspekt unter vielen bei Lohnverhandlungen sein.

Der IV-Generalsekretär wies darauf hin, „dass Streiks kein bewährter Weg in den Instrumentarien der österreichischen Sozialpartner waren und sind. Es ist definitiv kein Vorgehen, das für beide Seiten zukunftsfähig ist. Dies sollten auch jene Teile der Gewerkschaften zur Kenntnis nehmen, die sich nunmehr offen als ‚Kampforganisation‘ bezeichnen". Das Vorgehen sei vor allem angesichts der verantwortungsbewussten Haltung der heimischen Industrie während der Krise befremdlich, als die Unternehmen die überwiegenden Kosten der Kurzarbeit getragen hatten und es trotz massiver Auftragseinbrüche einen Abschluss über

2 Prozent sowie 2009 nach Polen in Österreich damit den zweithöchsten Zuwachs des privaten Konsums in Europa gegeben habe. „Hätten wir damals nach der ebenfalls viel strapazierten Benya-Formel gehandelt, hätten uns die Arbeitnehmervertreter Geld geben müssen. Wir haben damals Verantwortung gezeigt - und diese fordern wir jetzt auch ein", betonte Neumayer.


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