Industrie zu NAP Gleichstellung: Keine Eingriffe in unternehmerische Freiheit
„Mit dem heute präsentierten Nationalen Aktionsplan für Gleichstellung endet ein wichtiger Prozess, an dem sich die Industrie intensiv beteiligt hat. Dabei wurden überzogene Eingriffe in die unternehmerische Freiheit hintan gehalten und gleichzeitig wegweisende Vorschläge für die Gleichstellung erarbeitet. Denn weitere Belastungen und Einschränkungen von Unternehmen gefährden gerade in der jetzigen sensiblen Phase heimische Arbeitsplätze", erklärte der Bereichsleiter für Gesellschaftspolitik der Industriellenvereinigung (IV) Univ.-Prof. Dr. Christian Friesl anlässlich der Vorschläge der Expertinnen und Experten für mehr Gleichstellung am Arbeitsmarkt heute, Mittwoch.
Wesentlich sei nunmehr eine vernünftige Umsetzung, an der sich die Industrie verantwortungsvoll beteiligen werde. „Natürlich gilt der ausverhandelte Kompromiss für alle - ein weiteres Polemisieren oder Herumdeuten darf es nicht geben. Und auch etliche Gespräche innerhalb der Regierung, vor allem was die Bedeckbarkeit mancher Maßnahmen betrifft, stehen noch aus. Die Industrie wird sich in der Umsetzung intensiv einbringen. Ökonomische Gleichstellung ist eine Frage der Gerechtigkeit und der wirtschaftlichen Vernunft. Es geht aber auch darum, in Gleichstellungsfragen international aufzuschließen", so Dr. Friesl.
Erfreulich sei aus Sicht der Industrie insbesondere, „dass der Bericht konkrete Maßnahmen zur Förderung atypischer Ausbildungs- und Berufswahl sowie zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf enthält. Damit können auch mehr Frauen Karrieren in der Industrie schaffen". So sei beispielsweise der flächendeckende Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen vor allem für Kleinkinder wesentlich, um Eltern die Berufstätigkeit zu erleichtern. Friesl betonte, dass laut den jüngsten WIFO-Erkenntnissen die Gründe der Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern insbesondere in der Berufswahl, der niedrigen Betreuungsrate bei unter Dreijährigen sowie in der traditionellen Aufgabenaufteilung in der Familie liegen. Hier sei demnach anzusetzen.
„Nicht zielführend" seien aus Sicht der Industrie Vorstöße hinsichtlich einer Selbstverpflichtung von Kapitalgesellschaften und Unternehmen in öffentlicher Hand, den Frauenanteil in ihren Aufsichtsratsgremien zu erhöhen. „Forderungen dahingehend sind kein Bestandteil der Sozialpartnereinigung und stellen einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit dar, den die Industrie nicht akzeptieren kann", betonte Friesl.
