23.11.2009

Freiwilligkeit besser als Zwang

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ließe sich nicht per Gesetz erzwingen – freiwillige Maßnahmen und eine Veränderung der Rollenbilder seien aussichtsreicher, zeigte sich IV-Wien Präsident Kapsch in einer Podiumsdiskussion überzeugt.

Unter dem Titel „Pflicht oder Potenzial" hatte die Industriellenvereinigung (IV) in Kooperation mit dem „Standard" zu einer Diskussion über „Wege zur ökonomischen Gleichstellung" von Frauen und Männern geladen. Dabei wurde auch die neue IV-Broschüre „Gleiche Chancen. Bessere Vereinbarkeit." mit konkreten Anregungen für Unternehmen, wie Gleichstellung in der Praxis realisiert werden kann, dem Publikum präsentiert. Eine ökonomische Gleichstellung sei „nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll", fasste der Vorsitzende des Ausschusses für Gesellschaftspolitik, IV-Wien Präsident Georg Kapsch, die Motivation der Industrie für ihr Engagement in diesem Bereich zusammen. Das Credo der IV sei dabei jedoch: „Freiwilligkeit ist besser als Zwang." Dass jedenfalls Handlungsbedarf besteht, untermauerte Christine Zulehner (Universität Wien; Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung): „Die Lohnunterschiede bei Vollzeitbeschäftigung zwischen Frauen und Männern betragen, bereinigt durch die Arbeitszeit, immerhin 22 Prozent." Davon sei freilich ein Teil durchaus zu erklären, etwa durch Fragen der Berufswahl, oder der Tatsache, dass das Lohnniveau in der eher männlich geprägten Industrie relativ hoch sei. Mehr oder minder ungeklärt blieben dennoch noch rund 12 Prozent Lohnunterschied. Ein Teil davon sei jedoch wahrscheinlich auch auf das andere Rollenverständnis von Frauen zurückzuführen, so Zulehner.

Rollenbilder aufbrechen

Bezüglich der Bedeutsamkeit der tradierten Rollenbilder von Frauen und Männern waren sich alle Diskutanten einig. So appellierte Kapsch an die Politik, auch den Kindergarten als Bildungseinrichtung zu begreifen - eine Meinung, die vollinhaltlich von der Geschäftsführenden Gesellschafterin der Schatzdorfer Gerätebau GmbH&Co. KG, Gertrude Schatzdorfer, unterstützt wurde: „Der Kindergarten ist die Bildungsinstitution schlechthin, die Jüngsten sind die bildungsfähigsten." Daher solle man bereits im Kindergarten das Interesse für Naturwissenschaften und Technik wecken. Denn Frauen seien für technische Berufe sehr wohl geeignet, wie ihre eigene Erfahrung zeige: „Alles was wir Frauen brauchen ist das richtige Selbstwertgefühl, da müssen wir bei uns selbst anfangen." Zuviel Aktivismus sei für das Selbstbild der Frauen potentiell schädlich, argumentierte die Unternehmerin gegen Quoten und eine „gesetzlich verordnete Gleichstellung". Solche Maßnahmen verteidigte hingegen Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek: „Maßnahmen wie Quoten in gewissen Bereichen, oder etwa eine transparente Offenlegung von Gehältern, würden mehr Bewusstsein für die Problematik schaffen und ein Umdenken herbeiführen." Anfang des Jahres wolle sie dem Ministerrat entsprechende Vorschläge unterbreiten. Die ökonomische Sinnhaftigkeit einer verbesserten Gleichstellung belegte Heinisch-Hosek mit einer Studie: Demnach ließe sich das BIP-Wachstum in Österreich durch eine Gleichberechtigung der Geschlechter um rund 32 Prozent steigern. Kapsch lieferte schließlich die treffende Zusammenfassung des Abends: „Bei den Wegen mögen wir leicht unterschiedliche Meinungen haben, das Ziel aber ist dasselbe."


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In der von Karin Bauer ("Der Standard") moderierten Diskussion herrschte Einigkeit über das Ziel, nicht aber über den Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern.
In der von Karin Bauer ("Der Standard") moderierten Diskussion herrschte Einigkeit über das Ziel, nicht aber über den Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern.


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