20.04.2009

Integration: „In der Mitte der Gesellschaft ankommen“

Unter dem Titel „Wo drückt der Schuh?“ beschäftigte sich eine von der IV-Wien und der IV-Gesellschaftspolitik organisierte Diskussionsveranstaltung am 15. April mit den Themen „Migration und Integration“.

In der öffentlichen Diskussion dominiert derzeit die Krise, dennoch „dürfen wir - gerade auch mit Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage - nicht auf die wichtigsten Zukunftsthemen vergessen", betonte der Landesgeschäftsführer der IV-Wien Johannes Höhrhan bei der Veranstaltung „Integration - Wo drückt der Schuh?". Daher ist es der IV-Wien ein großes Anliegen, sich mit Integration und Migration zu beschäftigten, so Höhrhan weiter. Bei der von Simon Kravagna (Chefredakteur „das biber") moderierten Diskussion trat ein Grundproblem deutlich zutage: Wie definiert man eigentlich „Integration"? Nach Josef Wallner (AK Wien), ist Integration erfolgreich, wenn man „in der Mitte der Gesellschaft mit allen Chancen angekommen ist". Ähnlich auch die Sicht von Werner Binnenstein-Bachstein (Generalsekretär Caritas Wien): „Integration ist Chancengleichheit, kulturelle Vielfalt und rechtliche Gleichstellung."

Die Frage der „Chancengleichheit" wurde auch vom Leiter der Allianz Gruppe Wien, Norbert Dörner, als besonders wichtig hervorgehoben: Sein Unternehmen beschäftigt zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund, auch in der Führungsebene. „Jeder wird transparent nach Leistung bezahlt, unabhängig von Geschlecht oder Herkunft." Für sein Unternehmen, das in Migration und Integration vor allem auch ein wirtschaftliches „Wachstumspotenzial" sieht, habe diese Strategie bisher nur Erfolge gebracht. Auch Bernhard Bouzek, (Mitarbeiter in der MA 17) betonte den Erwerb von Sprachkenntnissen als wesentlichen Faktor. Kulturelle Unterschiede seien, so der gelernte Ethnologe, nicht wesentlich, „die größten Probleme bezüglich der Integration liegen im Bildungsbereich." „Bei den Jugendlichen, aber keineswegs nur den Migranten, fehlt es an Erziehung", wies Gürsel Erel (Geschäftsführer Bentour International) in Bezug auf die Frage wichtiger ethisch-moralische Werte hin. Lernen könne man auch eine Maschine. Integration bedeutet für ihn daher „Rechte wahrzunehmen und Pflichten einzuhalten". Einigkeit herrschte am Podium darüber, dass Migranten und Mehrheitsbevölkerung aufeinander zugehen müssen - Integration ist keine Einbahnstraße.
Fotos
V.l.n.r.: Wallner, Binnenstein-Bachstein, Bouzek, Kravagna, Dörner, Erel
V.l.n.r.: Wallner, Binnenstein-Bachstein, Bouzek, Kravagna, Dörner, Erel



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