10.03.2008

10.03.2008: Väterkarenz - Tabuthema oder modernes Management?

Auf Einladung des abz*austria und T-Systems tauschten am Montag, den 10.März ExpertInnen aus verschiedensten Bereichen Zugänge und Perspektiven zum Thema „Väterkarenz“ aus, das bereits Robert Treichler im Profil als „ideologisches Schlachtfeld“ bezeichnet hat. Karin Bauer von der Tageszeitung Der Standard moderierte das Gespräch zwischen Manuela Vollmann - abz*austria, Tina Reisenbichler - T-Systems, Alexander Hahnefeld – Microsoft Österreich, Reinhard Sieder – Sozialhistoriker an der Universität Wien und Robert Treichler – Journalist bei „Profil“ und ehemaliger Karenzvater.

Die Zeit ist reif
Alle Perspektiven zeigten, dass die Zeit reif ist, dass sich Väter in die Familienarbeit einbringen und bereits bestehende gesetzlichen Regelungen wie Väterkarenz und Elternteilzeit „nur mehr“ genutzt werden müssen.Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des abz*austria stellte die aktuellen Zahlen zur Väterkarenz und ElternTeilzeit vor und betonte, dass sich die Rollenerwartungen an Männer in Familien von Seiten der Partnerinnen und der Kinder verändert hätten bzw. veränderten. Andererseits sei aber auch klar, dass „die Männer andere Rahmenbedingungen in der Erwerbsarbeit vorfinden“, denn Wettbewerbsdruck und hoher Flexibilitätsanspruch stünden im Vordergrund.

Gestiegene Zahlen lassen hoffen
Seit der Einführung des neuen Kinderbetreuungsgeldes mit 1.1.2008 gibt es 46 Fälle, die das dritte Modell umsetzen (15 Monate + 3) (Stand Jänner). Von diesen 46 österreichweiten Fällen sind in derzeit 7 Fällen die Männer in Karenz (15,2 %). „Das lässt hoffen!“ so Vollmann. „Und es wird auch in Deutschland sichtbar: Seit das Elterngeld einkommensabhängig gestaltet ist, sind es nicht mehr die bisherigen 2-5 %, sondern regionenabhängig sogar über 10% Männer (Berlin 12,4%), die das Elterngeld beziehen.“

Väter in Karenz sind Rolemodels
Aus den beiden anwesenden Technologie-Unternehmen verlautete es unisono, dass Väter, die in Karenz gehen möchten zwar noch in der Minderzahl sind, dass sie aber im Unternehmen gepflegt würden „wie kleine Pflänzchen“, so Alexander Hahnefeld von Microsoft Österreich.Tina Reisenbichler von T-Systems betonte, dass die Väterkarenzzeit auch sehr wertvoll hinsichtlich der Entwicklung von Sozialkompetenz sei und dass Unternehmen die „verstärkte Bereitschaft von Männern, pro-aktiv Verantwortung für die Kinderbetreuung zu übernehmen, fördern sollten“.T-Systems Austria sowie Microsoft Österreich haben bereits ihre Ansätze und Maßnahmen für ein aktives KarenzManagement, vor allem aber arbeiten beide daran Väterkarenz und das Engagement ihrer MitarbeiterInnen in deren Familien zu fördern und zu unterstützen.

Geldmangel ist Ausrede
Robert Treichler stellte sich als Luxus-Exemplar eines Karenzvaters vor, da er es sich leisten konnte, zehn Monate mit einem Einkommensersatz von 436 Euro auszukommen. Allerdings stellte er fest, dass das „sich nicht leisten können“ in den Gruppen von Vätern mit mittlerem Einkommen für ihn „eine Ausrede“ sei. In den ersten Jahren mit einem Kind sei es doch einfach, auf teure Fernreisen zu verzichten, und statt dessen in die „eigene Beziehung zum Kind“ zu investieren.

Vorbereitung auf ein geschlechterdemokratisches Leben
Reinhard Sieder, Sozialhistoriker zitierte neuere Sozialforschungen zum Thema und hob hervor, dass die „soziale Kompetenz und das gesunde Selbstempfinden von Kindern mit aktiven Vätern“ durch die intensive Beschäftigung mit dem Kind gefördert würde. Mädchen würden sich in den ersten Jahren der Pubertät auch vermehrt für Belange interessieren, die nicht traditionell weiblich konnotiert sind. In diesem Sinne „werden Kinder, deren Väter sich in den Kleinkinderjahren intensiv um sie kümmern, frühzeitig auf ein geschlechterdemokratisches Leben vorbereitet“, so Sieder.
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